Was ist ein KI-Agent? Definition, Beispiele & Risiken

Was ist ein Ki-Agent

Ein KI-Agent ist eine auf künstlicher Intelligenz basierende Software, die Aufgaben selbstständig erledigt und dabei ein vorgegebenes Ziel verfolgt. Dafür analysiert das System zunächst die Anfrage, entwickelt einen geeigneten Lösungsweg und nutzt bei Bedarf externe Anwendungen, Datenbanken oder Schnittstellen.

Die einzelnen Arbeitsschritte müssen nicht jedes Mal von einem Menschen vorgegeben werden. Während ein herkömmlicher Chatbot vor allem Informationen bereitstellt, kann ein KI-Agent unmittelbar tätig werden.

So ist er beispielsweise in der Lage, den Versand einer Bestellung nachzuverfolgen, eine Terminreservierung vorzunehmen oder eine Kundenreklamation direkt im Ticketsystem zu bearbeiten.

KI-Agent vs. Chatbot vs. klassische Automatisierung

Ob ein System seine nächsten Aktionen selbst festlegen kann oder lediglich einem festgelegten Ablauf folgt, ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal.

Kriterium Klassische Automatisierung Chatbot KI-Agent
Entscheidungsgewalt Feste Regeln, kein Spielraum Antwortet nach Skript und erkannten Intents Plant und entscheidet den nächsten Schritt selbst
Mehrstufige Aufgaben Nein, nur ein definierter Ablauf Begrenzt, meist eine Antwort pro Anfrage Ja, verknüpft mehrere Schritte zu einem Ergebnis
Werkzeugnutzung Vordefiniert und starr verdrahtet In der Regel keine eigene Systemanbindung Dynamisch je nach Aufgabe (APIs, Datenbanken, Tools)
Beispiel Automatische Weiterleitung nach Postfach-Regel FAQ-Bot beantwortet Standardfragen Bearbeitet eine Reklamation komplett eigenständig im Ticketsystem

Auch zwischen den Begriffen KI-Agent und Agentic AI besteht ein Unterschied. Als KI-Agent wird grundsätzlich ein System bezeichnet, das eigenständig Aktionen ausführen kann. Bei Agentic AI übernimmt dagegen ein Large Language Model (LLM) die zentrale Steuerung und plant die Bearbeitung komplexerer, mehrstufiger Aufgaben.

Ausführlicher behandeln wir diese Unterscheidung im Artikel Was ist Agentic AI?. Wer insbesondere die Eigenschaften klassischer Chatbots kennenlernen möchte, findet weitere Informationen unter Was ist ein Chatbot?.

Wie funktioniert ein KI-Agent? Der Ablauf anhand eines Beispiels

Die Bearbeitung einer Aufgabe lässt sich grundsätzlich durch die Phasen Wahrnehmen, Planen, Handeln und Lernen beschreiben. Wie diese Prozesse in der Praxis zusammenspielen, zeigt eine Anfrage zum Lieferstatus im Kundenservice.

  1. Anfrage erfassen: Ein Kunde möchte wissen: „Wo ist meine Bestellung Nr. 48213?“ Der KI-Agent identifiziert die Bestellnummer und erkennt, dass Informationen zum aktuellen Versandstatus benötigt werden.
  2. Berechtigung kontrollieren: Bevor der Agent Bestelldaten abruft, stellt er sicher, dass die genannte Bestellung tatsächlich der anfragenden Person zugeordnet ist. Diese sicherheitsrelevante Kontrolle ist bei einfachen Chatbots häufig nicht vorgesehen.
  3. Vorgehen bestimmen und Systeme auswählen: Nach erfolgreicher Prüfung entscheidet das System, welche Schnittstelle benötigt wird. 
  4. Antwort erstellen und Aufgabe ausführen: Auf Grundlage der abgerufenen Daten informiert der Agent den Kunden über den Bestellstatus. Dabei kann Retrieval-Augmented Generation (RAG) eingesetzt werden. Diese Methode verknüpft die Antwortgenerierung mit überprüften Unternehmensinformationen, anstatt sich ausschließlich auf das allgemeine Wissen des Sprachmodells zu stützen.
  5. Ergebnisse zur Verbesserung nutzen: Rückmeldungen und Korrekturen, beispielsweise durch Servicemitarbeitende, fließen in Feedback-Prozesse ein. Auf diese Weise kann die Genauigkeit des Agenten schrittweise verbessert werden.

Ein wesentlicher Vorteil gegenüber skriptgesteuerten Chatbots besteht darin, dass die Schritte zur Berechtigungsprüfung, Planung und Ausführung nicht immer in einer starren Reihenfolge erfolgen müssen. Stattdessen passt der KI-Agent den Ablauf an die jeweilige Anfrage an.

KI-Agent Funktion

Welche Arten von KI-Agenten gibt es?

KI-Agenten werden in verschiedene Kategorien unterteilt. Für die Entscheidung über ihren praktischen Einsatz genügt Unternehmen normalerweise eine grundlegende Einordnung.

TypFunktionsprinzipTypisches Beispiel
Reflex-AgentReagiert direkt auf einen Reiz, ohne PlanungEinfache Weiterleitungsregel
Modellbasierter AgentHält ein internes Modell des ZustandsLagerbestand-Überwachung
Zielbasierter AgentPlant Schritte in Richtung eines definierten ZielsTerminbuchung über mehrere Rückfragen
Lernender AgentVerbessert sich über Feedback-SchleifenSupport-Agent mit Eskalations-Historie
Multi-Agenten-SystemMehrere Agenten koordinieren sich untereinanderEin Agent klärt die Anfrage, ein zweiter führt die Buchung aus

Insbesondere zielorientierte und lernfähige Agenten sind für den betrieblichen Kundenservice interessant. Einfache Reflex-Agenten unterscheiden sich hingegen in der Praxis kaum von traditionellen Automatisierungslösungen.

Beispiele & Anwendungsfälle aus der Praxis

KI-Agenten können in unterschiedlichen Unternehmensbereichen Aufgaben übernehmen. Besonders häufig kommen sie dort zum Einsatz, wo wiederkehrende Anfragen bearbeitet oder mehrere Systeme miteinander verbunden werden müssen.

  • Kundenservice: Fragen zu Lieferungen, Rechnungen oder Rücksendungen werden ohne manuelle Bearbeitung geklärt. Nur bei schwierigeren Anliegen erfolgt eine Weiterleitung an das Serviceteam. Ergänzende Informationen bietet unsere Seite KI-Agenten für Unternehmen.

  • Telefonservice und Voicebots: Sprachfähige Agenten beantworten eingehende Anrufe, erfassen das Kundenanliegen und bearbeiten es unmittelbar oder verbinden mit der zuständigen Stelle. Weitere Grundlagen finden Sie unter Was ist ein Voicebot?.

  • Terminmanagement: Ein Agent prüft verfügbare Zeitfenster, unterbreitet Terminvorschläge und hinterlegt bestätigte Termine direkt im Kalender. Mitarbeitende müssen dafür nicht zusätzlich eingreifen.

  • Leadqualifizierung: Neue Interessenten werden anhand ihres Budgets und ihrer Kaufabsicht bewertet. Anschließend erhält der Vertrieb ausschließlich die als qualifiziert eingestuften Kontakte.

  • Onlinehandel: Die Einsatzmöglichkeiten reichen von der Unterstützung bei der Produktauswahl bis zur Bearbeitung von Retouren. Bei einem E-Commerce-Kunden konnte die Reaktionszeit auf E-Mail-Anfragen von 48 auf 9 Stunden verkürzt werden. Gleichzeitig ging die Beschwerdequote um 60 % zurück. Näheres zu diesem Praxisfall steht auf dsaf.de/ki-agenten-fuer-unternehmen.

Allen Anwendungsfällen liegt dasselbe Prinzip zugrunde: Der KI-Agent entscheidet eigenständig, welche Aktion zur Lösung des Anliegens erforderlich ist. Er beschränkt sich somit nicht auf die Formulierung einer Antwort, sondern steuert den weiteren Bearbeitungsprozess.

KI-Agenten Beispiele

Welche Vorteile bieten KI-Agenten Unternehmen?

Vor allem im Kundenservice können KI-Agenten Arbeitsabläufe erheblich vereinfachen.

Das größte Potenzial von KI-Agenten liegt in der Automatisierung von Kundenservice-Prozessen. Laut einer Analyse von McKinsey können Unternehmen ihren Automatisierungsgrad durch agentenbasierte Systeme von bisher 2 bis 5 % auf 50 bis 60 % steigern, sofern die erforderlichen Systemschnittstellen vorhanden sind.
 
Der Grund liegt darin, dass KI-Agenten nicht lediglich Auskünfte erteilen, sondern auch komplexere Prozesse mit mehreren Arbeitsschritten vollständig bearbeiten können.

Weitere Vorteile ergeben sich aus ihrer zeitlichen und sprachlichen Flexibilität.

Anfragen lassen sich auch außerhalb regulärer Öffnungszeiten bearbeiten. Gleichzeitig können die Systeme Kunden in unterschiedlichen Sprachen unterstützen, was insbesondere für international tätige Unternehmen interessant ist.

Der größte wirtschaftliche Nutzen beschränkt sich allerdings nicht auf niedrigere Betriebskosten. Indem KI-Agenten wiederkehrende Routineaufgaben übernehmen, gewinnen Mitarbeitende mehr Zeit für anspruchsvolle Kundenanliegen, bei denen menschliches Urteilsvermögen erforderlich bleibt.

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Welche Risiken und Einschränkungen haben KI-Agenten?

Auch leistungsfähige KI-Agenten können Fehler verursachen. Ein verantwortungsvoller Anbieter sollte deshalb sowohl ihre Möglichkeiten als auch ihre technischen Grenzen offen darstellen.

Unterschiedliche Zuverlässigkeit je nach Anfrage

Betriebliche Erfahrungen zeigen, dass KI-Agenten allgemeine Fragen wie „Wie funktioniert euer Produkt?“ wesentlich zuverlässiger beantworten als Anfragen nach exakten Preisen oder Zahlen, beispielsweise „Was kostet Variante X in Kombination mit Y?“.
Eine Ursache dafür ist das Verhalten von Sprachmodellen: Sie können Informationen ergänzen, die überzeugend klingen, tatsächlich aber nicht stimmen. Solche fehlerhaften Ausgaben werden als KI-Halluzinationen bezeichnet. Das Thema erläutern wir ausführlicher im Beitrag Was sind KI-Halluzinationen?.

Warum RAG allein keine vollständige Sicherheit bietet

Mit Retrieval-Augmented Generation lassen sich Antworten auf reale Unternehmensdaten stützen. Trotzdem besteht weiterhin die Möglichkeit, dass ein Sprachmodell Informationen falsch miteinander verknüpft. Auch veraltete Einträge können in Antworten gelangen, wenn die zugrunde liegende Wissensdatenbank nicht regelmäßig gepflegt wird.

Deshalb benötigt ein zuverlässiger KI-Agent klare Regeln für die Übergabe an menschliche Mitarbeitende. Unterschreitet seine Konfidenz einen zuvor festgelegten Grenzwert, muss das Anliegen automatisch weitergereicht werden. Das gilt beispielsweise dann, wenn notwendige Informationen fehlen oder verschiedene Datenquellen einander widersprechen.

Risiken KI-Agent

Datenschutz und gesetzliche Vorgaben

Unternehmen innerhalb der Europäischen Union müssen beim Einsatz von KI-Agenten mit personenbezogenen Kundendaten die Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) erfüllen. Besonders relevant sind dabei die Speicherung von Gesprächsverläufen und die Übermittlung von Daten an externe Systeme.

Der EU AI Act stuft zahlreiche KI-Anwendungen im Kundenservice als Systeme mit begrenztem Risiko ein. Dennoch gelten Transparenzanforderungen, beispielsweise die Pflicht, Nutzende darüber zu informieren, dass sie mit einer KI kommunizieren.
Wenn automatisierte Entscheidungen rechtliche Auswirkungen haben, sind darüber hinaus zusätzliche Sorgfaltspflichten zu beachten.

Was kostet ein KI-Agent? Die eigentlichen Kostentreiber

Ein allgemeingültiger Preis lässt sich kaum nennen. Entscheidend für die Gesamtkosten sind weniger die eingesetzten KI-Technologien als vielmehr die Anforderungen an die technische Einbindung, die Datenbasis und den laufenden Betrieb.

Drei Faktoren fallen besonders ins Gewicht:

  1. Aufwand für Systemintegrationen: Müssen CRM, ERP, Ticketsysteme oder Warenwirtschaft miteinander verbunden werden, beeinflusst die Anzahl und Beschaffenheit dieser Anwendungen die Kosten erheblich. Moderne Systeme mit geeigneten APIs lassen sich meist wesentlich einfacher integrieren als ältere, individuell entwickelte IT-Lösungen.
  2. Qualität und Vorbereitung der Wissensdatenbank: Damit ein Agent verlässliche Antworten liefern kann, benötigt er aktuelle und strukturierte Informationen. Veraltete Produktbeschreibungen, unübersichtliche FAQ-Dokumente und interne Richtlinien müssen deshalb häufig vor der Inbetriebnahme überarbeitet werden. Der damit verbundene Aufwand wird bei der Kalkulation oft unterschätzt.
  3. Kontinuierliche Qualitätskontrolle: Im Gegensatz zu einem einmal eingerichteten Chatbot benötigt ein KI-Agent fortlaufende Betreuung. Dazu zählen die Prüfung seiner Antworten, die Anpassung der Eskalationsgrenzen und die regelmäßige Aktualisierung seiner Wissensgrundlage. Diese Tätigkeiten verursachen dauerhaft Kosten.

Trotzdem kann sich die Investition wirtschaftlich bereits nach vergleichsweise kurzer Zeit lohnen. Weil KI-Agenten mehrstufige Vorgänge eigenständig abschließen, anstatt Kundenanfragen lediglich weiterzuleiten, ist gegenüber klassischen Chatbot-Lösungen ein bis zu dreifach höherer ROI möglich.

Wann ein KI-Agent NICHT die richtige Lösung ist

 

  • Selten auftretende Anliegen: Wird eine bestimmte Anfrage lediglich einige Male pro Jahr gestellt, stehen die Kosten für Integration und Datenpflege häufig in keinem angemessenen Verhältnis zum Nutzen.

  • Unzureichende Informationsgrundlage: Fehlen aktuelle, gut strukturierte Daten, bleiben die Ergebnisse auch bei leistungsfähigen Agenten fehleranfällig. In diesem Fall sollte zunächst die Datenqualität verbessert werden, bevor in KI-Agenten investiert wird.

  • Entscheidungen mit erheblichen rechtlichen oder finanziellen Folgen: Vorgänge, bei denen persönliche Haftung oder individuelle Ermessensentscheidungen eine Rolle spielen, sollten abschließend von Menschen beurteilt werden. 

  • Keine Ressourcen für laufende Überwachung: Fehlen personelle oder technische Kapazitäten zur kontinuierlichen Kontrolle und Anpassung, kann ein autonomer Agent größere Risiken verursachen als ein einfacher, gut kontrollierter Chatbot.

Häufige Fragen zu KI-Agenten

Was ist ein KI-Agent einfach erklärt?

Ein KI-Agent ist ein Softwaresystem, das eigenständig plant, welche Schritte für eine Aufgabe notwendig sind, und diese anschließend ausführt. Man kann ihn mit einem digitalen Mitarbeiter vergleichen, der nicht ausschließlich Informationen liefert, sondern beispielsweise eine Buchung vornimmt oder den Status einer Bestellung überprüft.

Was ist der Unterschied zwischen einem KI-Agenten und einem Chatbot?

Herkömmliche Chatbots reagieren überwiegend anhand vorgegebener Gesprächsskripte oder identifizierter Nutzerabsichten. KI-Agenten hingegen können mehrere Handlungsschritte selbst planen, externe Werkzeuge und Anwendungen verwenden und einen Vorgang eigenständig bis zum Abschluss bearbeiten.

Was kostet ein KI-Agent für ein Unternehmen?

Die Höhe der Investition wird hauptsächlich durch drei Bereiche bestimmt: den technischen Aufwand für die Integration bestehender Systeme, die Vorbereitung der benötigten Wissensdaten und die dauerhafte Überwachung des Agenten. Deshalb sind pauschale Preisangaben nur begrenzt hilfreich.

Sind KI-Agenten DSGVO-konform?

Ja, ein datenschutzkonformer Betrieb ist grundsätzlich möglich, ergibt sich jedoch nicht automatisch aus der verwendeten Technologie. Entscheidend sind unter anderem die konkrete Verarbeitung personenbezogener Daten, die Dauer ihrer Speicherung sowie mögliche Übertragungen an Drittsysteme. Diese Aspekte müssen vor der Inbetriebnahme geprüft werden.

Ersetzen KI-Agenten menschliche Mitarbeitende im Kundenservice?

Eine vollständige Ablösung ist normalerweise nicht das Ziel. KI-Agenten übernehmen vor allem wiederkehrende und klar beschriebene Tätigkeiten. Dadurch können sich Serviceteams stärker auf schwierige Anliegen konzentrieren. Die Möglichkeit, Vorgänge bei Bedarf an Menschen zu übergeben, bleibt ein wesentlicher Bestandteil eines verantwortungsvoll betriebenen Systems.

Nächste Schritte

Unternehmen, die den Einsatz eines KI-Agenten im eigenen Kundenservice genauer prüfen möchten, finden auf unserer Seite KI-Agenten für Unternehmen weiterführende Informationen.

Dort behandeln wir unter anderem praktische Anwendungsbeispiele, Sicherheitskonzepte und die Anbindung verschiedener Kommunikationskanäle.

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